Träume versus Alltag
Rein logisch betrachtet ergibt der Kauf eines zweisitzigen Roadsters mit Stoffverdeck eigentlich nur dann Sinn, wenn man sich damit einen Traum erfüllt – vorausgesetzt natürlich, man besitzt zusätzlich ein ganz normales Auto für den Alltag.
Ich habe den Eindruck, dass ein Teil der Diskussion rund um das iPhone Air genau daher kommt: Wir erwarten von diesem Smartphone etwas, wofür es eigentlich gar nicht entwickelt wurde. Das Problem ist nur, dass die meisten von uns eben nur ein Smartphone besitzen – und dieses soll möglichst alles können.
Also versuchen manche, das Air um jeden Preis als perfekten Allrounder zu rechtfertigen. So, als würde man mit einem kleinen Roadster problemlos quer durch Europa fahren und behaupten, der winzige Kofferraum reiche doch locker für alles Notwendige.
Doch genau darum geht es meiner Meinung nach nicht. Beim iPhone Air steht nicht maximale Praktikabilität im Vordergrund, sondern – so absurd das bei einem Smartphone auch klingen mag – die Freude am Design, an der Form und am Objekt selbst.

Schlankheit als Manifest
Im Internet wird gerne darüber gescherzt, dass beim Debüt des Galaxy S25 Edge viele noch die Nase rümpften und das Gerät für überflüssig hielten, während das iPhone Air plötzlich beinahe als Kunstwerk gefeiert wird.
Ich selbst war dem Edge nie besonders kritisch gegenüber eingestellt. Trotzdem muss ich zugeben: Apple hat die Idee eines extrem dünnen Smartphones meiner Meinung nach konsequenter umgesetzt. Das Design des Edge wirkt kantiger und deutlich technischer, während das Air seine zahlreichen Rundungen geschickt nutzt und dadurch wesentlich harmonischer erscheint.
Besonders spannend ist die große Kameraeinheit. Sie beherbergt nicht nur die Kamera selbst, sondern auch einen beträchtlichen Teil der wichtigsten Komponenten – darunter Prozessor, Arbeitsspeicher und Hauptplatine. Dadurch konnte Apple den restlichen Teil des Gehäuses extrem flach gestalten.
Auch die Tasten fallen etwas kleiner aus, während das Innere so optimiert wurde, dass möglichst viel Platz für den Akku bleibt. Dazu kommt, dass das iPhone Air ausschließlich auf eSIM setzt – auch das spart wertvollen Raum im Inneren.
All diese Entscheidungen verfolgen letztlich ein einziges Ziel: Sobald du dieses Smartphone in die Hand nimmst, sollst du keinen Zweifel daran haben, dass der Name „Air“ wirklich passt.

Zurück zu den Emotionen – der Geist des MacBook Air
Dabei geht es nicht nur um das geringe Gewicht oder die fast schon irrationale Dünne des Gehäuses. Es geht auch um die Emotionen, die dieses Produkt auslösen soll.
Das diesjährige iPhone 17 verkörpert ziemlich gut das, wofür Apple normalerweise steht: eine klare, funktionale Form. Gleichzeitig sind die Pro-Modelle über die Jahre immer größer und schwerer geworden. Apple experimentierte mit verschiedenen Materialien und hat sich dieses Jahr schließlich für eine Konstruktion entschieden, bei der Funktionalität klar im Vordergrund steht – inklusive Platz für Vapor Chamber und größeren Akku.
Vielleicht war genau das notwendig, um zu verhindern, dass die Pro-Modelle irgendwann völlig ausufern. Ironischerweise ist es nun aber ausgerechnet das vermeintlich zum Scheitern verurteilte Air, das nach den ersten erfolgreichen Haltbarkeitstests einen großen Teil der Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Das Air ist praktisch das Gegenstück zu den Pro-Modellen: ein Smartphone, das weniger aus dem Wunsch nach maximaler Funktionalität und mehr aus dem Bedürfnis nach Ästhetik entstanden ist.
Es erinnert mich ein wenig an den Moment, als Steve Jobs das erste MacBook Air aus einem Umschlag zog. Auch dieses Gerät war technisch keineswegs perfekt, aber die Reaktion des Publikums sprach für sich.
Das erste MacBook Air legte den Grundstein für eine ganze Generation ultradünner Notebooks. Wie bei vielen Produkten, die eine neue Kategorie definieren, lief dabei anfangs längst nicht alles rund. Aber eines war klar: Wer dieses MacBook einmal gesehen hatte, vergaß es nicht so schnell.

Statt Hass – Wertschätzung für Handwerkskunst
Mir ist bewusst, dass meine Art, über dieses Smartphone zu sprechen, nicht jedem gefallen wird. Schnell kann der Eindruck entstehen, ich wolle jemandem erklären, dass er das Produkt einfach nicht „versteht“ oder elektronische Designkunst nicht zu schätzen weiß. Genau darum geht es mir aber nicht.
Natürlich wäre es einfacher, den populistischeren Weg zu wählen und ein paar Sätze wie „Nur für Apple-Fanboys“ oder „Der Akku ist unbrauchbar“ in den Raum zu werfen. Aber nicht jedes Produkt muss ausschließlich in Extremen bewertet werden.
Manchmal reicht es auch, ein Gerät einfach in die Hand zu nehmen und anzuerkennen, wie beeindruckend seine Konstruktion ist – selbst wenn man überhaupt nicht vorhat, es zu kaufen.
Für mich ist das ein bisschen wie bei einem Fiat Barchetta: Er ist nicht für jeden die vernünftigste Entscheidung. Aber er sieht verdammt gut aus – und manchmal reicht das schon.

Preis und Kompromisse
Wer ernsthaft über einen Kauf nachdenkt, sollte trotzdem nicht vergessen, dass das iPhone Air vor allem aus dem Wunsch nach außergewöhnlichem Design entstanden ist. Wenn genau dieses Design dein wichtigstes Kaufkriterium ist und du bereit bist, dafür gewisse Kompromisse einzugehen, sehe ich keinen Grund, dir das Gerät auszureden.
Ich gehöre durchaus zu denjenigen, die das Air loben. Persönlich würde ich mich trotzdem nicht dafür entscheiden – und überraschenderweise sind nicht einmal die technischen Kompromisse mein größtes Problem.
Der größte Kritikpunkt ist für mich der Preis. Er suggeriert, dass das iPhone Air beinahe auf Augenhöhe mit der Pro-Serie steht. Wenn man den Titanrahmen und das besondere Design einmal ausklammert, befindet es sich funktional irgendwo zwischen einem günstigeren iPhone und dem regulären iPhone 17.
Für mich bedeutet das: Zum Marktstart hätte dieses Smartphone eher 900 Euro als 1.100 Euro kosten sollen. Bei einem so hohen Preis werden viele der folgenden Kompromisse deutlich schwieriger zu rechtfertigen.

Schönheit mit Grenzen
Auf den ersten Blick könnte man vermuten, dass Apple den A19 Pro hauptsächlich verbaut hat, um das Datenblatt aufzuwerten und den höheren Preis zu rechtfertigen. Schließlich basiert er auf demselben Chip wie in den Pro-Modellen, arbeitet im Air jedoch unter anderen thermischen Bedingungen.
Und genau hier liegt das Problem. Bei einem derart flachen Gehäuse, extrem dicht gepackten Komponenten und wenig Raum zur Wärmeableitung ist es schwierig, die Temperaturen dauerhaft niedrig zu halten. Hinzu kommt die Titankonstruktion, die Wärme nicht besonders effektiv ableitet.
Das Smartphone kann sich deshalb spürbar erwärmen – insbesondere im Bereich unterhalb der Kamera. Ein längerer Videoanruf hat mir bereits gezeigt, wie schnell das passieren kann. Wenn das Gerät schon in einem solchen Szenario deutlich warm wird, kann man sich vorstellen, was bei noch anspruchsvolleren Aufgaben passiert.
Der eigentliche Vorteil des A19 Pro im iPhone Air liegt deshalb weniger in maximaler Leistung als vielmehr in einem guten Verhältnis zwischen Performance und Energieverbrauch.
Unterstützt wird das Ganze von weiteren effizienteren Komponenten wie dem C1X-Modem und dem von Apple entwickelten N1-Netzwerkchip. Das macht das Air natürlich keineswegs langsam oder unbrauchbar. Es zeigt aber ziemlich deutlich, dass dieses Gerät nicht für Nutzer entwickelt wurde, die ihr Smartphone dauerhaft bis ans Limit treiben möchten.
Angesichts des Preises klingt das durchaus extravagant. Aber das Air möchte eben in erster Linie elegant und unauffällig sein – und dafür muss man einige Dinge akzeptieren.
Dazu gehört beispielsweise das Lautsprechersystem. Das Smartphone gibt sich hörbar Mühe, trotzdem lässt sich der Unterschied zu den anderen Modellen nicht überhören. Es spielt leiser und der Klang wirkt weniger räumlich. Besonders im Querformat fällt auf, dass der Ton sehr deutlich von einer Seite kommt.
Zum Glück wurde beim Display deutlich weniger gespart. Hier bekommt man viele der Funktionen der aktuellen iPhone-Generation. Nach meiner Zeit mit dem iPhone 17 weiß ich allerdings, dass ich persönlich so schnell nicht wieder zu größeren Displays zurückkehren möchte.
Auch das sollte man bedenken: Das Air ist zwar extrem leicht und dünn, aber gleichzeitig spürbar länger und breiter.
Ein weiterer häufiger Kritikpunkt ist die einzelne Hauptkamera. Interessanterweise stört mich das persönlich weniger, als ich ursprünglich erwartet hätte. Bei günstigeren iPhones vermisse ich einen optischen Zoom deutlich häufiger als eine Ultraweitwinkelkamera.
Letztere ist für mich hauptsächlich beim Filmen interessant – und dort arbeite ich ohnehin gerne mit anspruchsvolleren Formaten. Im normalen Alltag konnte ich mich deshalb überraschend gut an die einzelne Kamera des Air gewöhnen.
Alle neuen Modelle profitieren außerdem von der neuen Frontkamera und ihrer ausgesprochen praktischen Spotlight-Funktion. Ich habe sie bereits in meinem Test des iPhone 17 ausführlicher beschrieben und bleibe dabei: Für mich gehört sie zu den interessantesten Neuerungen dieser iPhone-Generation.

Und dann wäre da noch der Akku
Hier muss man ziemlich klar sein: Das iPhone Air ist ein Smartphone für eher genügsame Nutzer. Wenn du täglich fünf Stunden oder mehr aktiv vor dem Display verbringst, würde ich dieses Modell nicht unbedingt ganz oben auf deine Einkaufsliste setzen.
Ich selbst war zunächst ebenfalls skeptisch, obwohl meine Smartphone-Nutzung mittlerweile deutlich entspannter geworden ist als früher. Umso überraschter war ich davon, wie ordentlich sich das Air im Alltag tatsächlich geschlagen hat.
Am ersten Testtag nahm ich das Smartphone kurz vor 7 Uhr morgens mit 100 % Akku vom Ladegerät. Anschließend standen rund sechs Stunden Autofahrt an, während der ich durchgehend kabelloses CarPlay nutzte. Dazu kamen einige Telefonate, Podcasts und mehrere YouTube-Videos.
Um 22:30 Uhr waren noch 20 % Akku übrig.
An den folgenden Tagen nutzte ich CarPlay nur noch ungefähr eine Stunde täglich im Stadtverkehr und war ansonsten größtenteils über 5G verbunden. Dazu kamen die üblichen Dinge: Telefonate, E-Mails, Messenger und abends gelegentlich YouTube.
Das Ergebnis blieb ziemlich konstant. In meinem Nutzungsprofil schaffte das Air normalerweise einen vollen Tag, gelegentlich sogar ungefähr anderthalb Tage. Dabei war das Always-On-Display dauerhaft aktiviert und der Energiesparmodus kam kein einziges Mal zum Einsatz.
Ich muss allerdings noch einmal betonen: Ich verbringe heute deutlich weniger Zeit aktiv am Smartphone als früher. Für meinen aktuellen Alltag ist die Akkulaufzeit deshalb vollkommen ausreichend – für Power-User kann die Situation ganz anders aussehen.
Schade finde ich eher, dass Apple dem Gerät keine höhere Ladeleistung spendiert hat. Und über die mittlerweile berüchtigte externe Powerbank müssen wir vermutlich nicht allzu viele Worte verlieren.
Mein Fazit zum iPhone Air
Ich bin froh, dass es das iPhone Air gibt. Es bringt endlich wieder etwas Neues in die iPhone-Familie und besitzt gleichzeitig einen Hauch dieses klassischen Apple-Gefühls, bei dem nicht jede Entscheidung allein anhand einer Excel-Tabelle getroffen zu sein scheint.
Der größere Bildschirm zeigt gleichzeitig, dass Apple das Konzept an heutige Erwartungen angepasst hat. Trotzdem lässt sich kaum bestreiten, dass dieses Smartphone für eine relativ kleine Zielgruppe entwickelt wurde.
Dass es im Handel deutlich einfacher erhältlich ist als andere Modelle, könnte ein erster Hinweis darauf sein. Spannend wird deshalb vor allem, ob dem Air langfristig ein ähnliches Schicksal droht wie dem Galaxy S25 Edge – insbesondere dann, wenn der Preis relativ schnell fällt.
Das Air wirkte zunächst wie ein ausgesprochen leichtes Ziel für Kritik. Nach meiner Zeit mit dem Gerät muss ich aber sagen: So schlecht, wie manche es darstellen, ist es ganz und gar nicht.
Die spannendere Frage lautet vielmehr, ob der Markt einem solchen Konzept langfristig eine Chance gibt. Schließlich haben es weder die Plus-Serie noch die Mini-iPhones geschafft, dauerhaft eine wirklich stabile Position im Portfolio einzunehmen.
Und wenn wir schon bei Fragen sind: Ist das iPhone Air vielleicht die erste Hälfte eines zukünftigen faltbaren iPhones?
Ich bin gespannt auf eure Meinung. Schreibt gerne in die Kommentare, wie ihr das iPhone Air einschätzt – und ob ihr euch selbst vorstellen könntet, eines zu kaufen.

